Thursday, 9. September 2010
Injektionsverfahren
Geschrieben von Olaf Jensen   

Das Injektionsverfahren mit Harzen, Paraffinölen, Wasserglas, Silikaten sowie Polyurethanlösungen (mit und ohne Druck / Erhitzung der Bohrlöcher).

 

Injektagen mit Bauchemie?

Bei dieser Methode wird eine neue Sperrschicht ins Mauerwerk gesetzt. Der Gedanke dabei ist, dass die Kapillare (Poren) der vorhandenen Baustoffe mit wasserundurchlässigen Stoffen gefüllt und somit verstopft werden.
Dafür werden im dichten Abstand Löcher tief in alle Außen- und Innenwände gebohrt. Bei dickeren Mauern in mehreren Reihen übereinander und mit verschiedenen Bohrtiefen. Mit oder ohne Druck werden chemische Stoffe oder Paraffine in die Wand geleitet.
  • Bei bis zu 800 großen Bohrungen im Einfamilienhaus wird die Bausubstanz stark beeinträchtigt.

  • Bei denkmalgeschützten Häusern ist dies nicht zulässig.
  • Dicke Wände und Hohlbausteine sind unberechenbar.
  • Lärm und Staub sowie Ausdünstungen sind erheblich.

Grundsätzlich muss ab einer Mauerwerks­stärke von 40 - 55 cm mehrstufig gebohrt werden. Das heißt, es wird mit zwei oder drei Injektionsreihen gearbeitet, welche versetzt und mit unterschiedlichen Bohrlochtiefen versehen werden.
Bei dieser Mauerwerksstärke muss das Injektionsmittel meist auch von beiden Seiten eingebracht werden. Das bedeutet, dass auch von außen aufgegraben werden muss.

Je nach Dicke und Art der Mauern liegen die Bohrlochwinkel zwischen 5° und 55°. Es muss für eine ausreichende Menge des Injektionsmittels gesorgt werden. Bis zu 30 Liter pro Meter Wand. Die Sättigung des Mauerwerks muss gewährleistet sein.

Ab einer Durchfeuchtung des Mauerwerks von 50% kann das Eindringen des Injekti­onsmittels in die Kapillaren immer unvoll­ständiger werden.

Bei nicht vollständiger Versiegelung ver­stärkt sich zwangsläufig der Feuchtesog über die nicht versiegelten Kapillaren. Man kann sich diesen Effekt wie eine Baustellenverengung auf der Autobahn vorstellen. Daher ist sogar bei einem Einsatz von Druckmitteln oder Heizstäben zur Vorbereitung oftmals nur ein Wirkungsgrad von 70 - 80% zu erwarten. Bei Luftfeuchtigkeit über 60 - 70% kann das Injektionsmittel evtl. nicht abtrocknen. Zusätzliche Trocknungsmaßnahmen wer­den in diesem Fall unbedingt erforderlich.

Bei Mauerwerk mit großen Hohlräumen, sowie Schalenmauerwerk und einigen dichten Natursteinen sind Injektagen ungeeignet. Selbst wenn es gelingen würde, durch eine Injektage ein Mauerwerk zu 100% abzudich­ten, verbleibt die einmal aufge­stiegene Feuchtigkeit in den Wän­den. Sie kann nur langsam ausdunsten. Dies dauert oft Jahre. Sobald die Sperre wieder durchlässig wird, beginnt das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit von neuem.

Unterhalb der eingebrachten Sperrschicht bleibt es aus dem Untergrund feucht. Auch der Kellerboden sollte abgetragen und mit einer Sperrschicht neu aufgebaut werden.

Ein weiterer Nachteil kann das, in die bis zu 800 Bohrungen in einem Einfamilienhaus, eingebrachte Injektagemittel sein. Injektionen auf der Basis von z.B. Kunstharzen enthalten den Nährboden für Mikroorganismen. Neben chemischen und physikalischen Einflüssen spielen Mikroorganismen eine maßgebliche Rolle bei der Zerstörung von Baustoffen. Besonders die Staunässe unter den Injektagen lässt häufig mikrobakterielle Lebensgemeinschaften entstehen. Diese können infolge ihrer Stoffwechselaktivität erheblichen Schaden auf Material und Mensch nehmen.
Fazit: Hohe Kosten. Salze bleiben in der Wand. Keine Erfolgsgarantie.
 
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